Zwei Anekdoten aus Mywiler

Die ersten Benefiziaten von Mywieler wohnten mit dem Stifter Sutter noch unterm gleichen Dache. Einer dieser Benefiziaten kam eines Tages in spätnächtlicher Stunde heim. Er rüttelte an der Haustüre. Sutter kroch aus den Federn und rief zum Fenster hinunter: „Wer ist draußen?“ Der Geistliche rief hinauf: „Der Herr ist da“. Doch von oben kam in sehr energischem Ton die Antwort: „Der Herr bin i.“

Zum hochwürdigen Herrn Marquard Kiechle, von 1863- 1871 Benefiziat in Mywiler, später Pfarrer im benachbarten Wohmbrechts kam ein Bauer, bestellte eine heilige Messe und holte 24 Kreuzer aus seiner Hosentasche. „Die Messe kostet einen halben Gulden“ (30 Kreuzer), sagte der Pfarrer. Der Bauer entgegnete mit größter Seelenruhe: „Lies um 24 Kritza sowit d´kunscht un dann hörscht  d`halt uf“

Die Kapelle in Mywiler

Patrozinium: Dreifaltigkeitsfest, Sonntag nach Pfingsten

Die ältesten Zeugnisse der Gemeinde Opfenbach stammen vom Ortsteil Mywiler. Sie gehen zurück auf den Priester Meginbreht, der hier in einer Zelle gelebt hat und sie urkundlich 837 dem Kloster Sankt Gallen vermachte. Der Ort der Kapelle und der Missionszelle wird mit dem Namen Sconinperac angegeben, das dürfte Forschungen zufolge später als Schönberg übersetzt worden sein und auf der Anhöhe bei Mywiler gelegen haben. Der Name Mywiler leitet sich vom Priester Meginbreht und Weiler ab, aus Meginbrehts-wilare wird ganz einfach Mywiler.
Die heutige Kapelle im Ort hat allerdings mit dem Priester Meginbreht nichts mehr zu tun und führt uns in die Barockzeit. Im Jahr 1732 stiftete das kinderlose Ehepaar Johann Georg und Maria Sutter ein Benefizium: Sie bauten von 1733-35 in ihrem Grundstück neben dem Hof die Kapelle zur heiligsten Dreifaltigkeit und wenig später ein Benefiziatenhaus. Zum Dank wurde das Stifterehepaar in der Kapelle neben dem Hochaltar bestattet und ein Gedenkstein aus rötlichem Marmor an der linken Wand angebracht.  Das denkmalgeschützte benachbarte Benefiziatenhaus mit seinen gut profilierten Mittelzargen an den Fenstern beherbergte bis 1947 mit nur wenigen Unterbrechungen einen eigenen Benefiziaten, der bald der Pfarrei Opfenbach zugeordnet war. 1746 weihte der Konstanzer Weihbischof Graf Fugger die Kapelle und errichtete die Kaplaneistiftung förmlich. Es dürften wohl einfache Künstler aus der näheren Umgebung gewesen sein, die in der Kapelle arbeiteten, doch gerade die harmonische Einfachheit gibt ihr den besonderen Reiz. Von der ursprünglichen Ausstattung sind nur noch die Deckengemälde erhalten, die allerdings 1934 wieder freigelegt werden mussten. Im Chorraum sehen wir in der Mitte das Symbol der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, ein Dreieck mit der hebräischen Aufschrift Jahwe. In den drei Eckfeldern kommt die Königin von Saba mit Kamelen, Gold und Edelsteinen herbei, wie es im Buch der Könige beschrieben ist (1 Kön 10,1ff). Sie hörte von der Weisheit des Königs Salomo und  war bei einem Treffen mit ihm vor Staunen sprachlos. Nach Psalm 72 werden Könige – wie damals die Königin von Saba – dem zukünftigen Friedenskönig Israels Geschenke bringen. Der wird einmal von allen Völkern anerkannt werden. Beim dreifaltigen Gott des Christentums ist diese Prophezeiung in Erfüllung gegangen. Eine Offenbarung der Dreifaltigkeit sehen wir Deckengemälde des Schiffes: Die Verklärung Jesu am Berg Tabor. Jesus erstrahlt im göttlichen Glanz, der Vater gibt durch den heiligen Geist Zeugnis von seinem Sohn. Die alttestamentlichen Gestalten des Mose mit den Gesetzestafeln und des Elija mit dem flammenden Schwert stehen als Zeugen daneben. Über der Empore empfängt wiederum Mose die Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai, er durfte wie kein anderer im Alten Testament die Herrlichkeit Gottes schauen. Aus der Barockzeit stammen neben den schönen Altarleuchtern auf den Altären auch die kleinen Figuren des heiligen Leonhard und des heiligen Johannes Nepomuk links und rechts am Hochaltar. Leonhard ist ein Fürsprecher der Landwirte, der heilige Johannes Nepomuk der Patron der Beichtenden. Das ehemalige Altarbild hängt jetzt auf der linken Seitenwand und zeigt die Abnahme Christi vom Kreuz. Rechts gegenüber eine Kreuzesdarstellung von 1760. Auf das Bild der Mutter vom Guten Rat an der linken Seite sei hingewiesen.
Grundlegend renoviert wurde die Kirche 1889. Im Stil der Nazarenerzeit erstellte man  einen neuen Hochaltar und neue Seitenaltäre. Im Hochaltar sehen wir nochmals die Offenbarung der Dreifaltigkeit, diesmal beim Kreuzestod Jesu. Auch hier sind Gott Vater und der heilige Geist in der Gestalt der Taube ganz oben zugegen. Neben dem Kreuz Maria und Johannes. Auf dem Seitenaltar links ist die heilige Maria  und rechts der heilige Josef zu sehen.
Wie bereits erwähnt, wurde 1934 der  blaue Sternenhimmel aus der Nazarenerzeit wieder entfernt und die ursprünglichen Fresken  freigelegt. An die Emporenbrüstung kam damals das Bild des heiligen Wendelin hinzu, dem Patron der Landwirtschaft. Es folgten 1977 die Außenrenovierung und 1999 die Innenrenovierung, die versuchte, der Kapelle ein einheitliches Gesamtbild zu verleihen, das die Stilelemente miteinander verbindet. So sind die Altäre aus der Nazarenerzeit mit Stuckmarmor versehen worden, um besser mit den barocken Farben der Decke zu harmonieren.
Zur reichen sakralen Ausstattung gehören neben einem Kelch und dem Wettersegen  aus der Augsburger Goldschmiede des 18. Jahrhunderts ein seltenes Versehgerät für Öl und Hostie, bekrönt von einem Kruzifix.
Für die Pilger der Gebetstätte Wigratzbad wird es interessant sein zu erfahren, dass die Gründerin Antonie Rädler in jungen Jahren täglich zur Messe nach Mywiler kam und hier die Eingebung empfing, eine Gebetsgrotte mit dem Namen „Maria vom Sieg“ zu errichten.

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