Literatur:

Adam Horn und Werner Meyer,
Die Kunstdenkmäler von Schwaben, 1954;
Ludwig Dorn,
Die Wallfahrt zur Seligen Richildis, o. J.; und
Die Pfarrer von Wohmbrechts im Allgäu, 1968

Kapelle Maria Hilf in Itzlings

Patrozinium: 2. Juli Maria Heimsuchung

Die Wallfahrtskapelle in Itzlings geht auf die Heilung eines Landwirts im Jahr 1658 zurück.
Die älteste Votivtafel berichtet von der wundersamen Genesung. Georg Sohler litt zwanzig Jahre an einem offenen Schaden am Fuß, kein Arzt konnte ihm helfen; öfters verspürte er den Antrieb, im Falle einer Heilung eine Marienkapelle zu bauen. Aber er schob das Vorhaben immer wieder auf. Die Schmerzen nahmen mit der Zeit derart zu, dass er schließlich ein Versprechen ablegte, bei Genesung eine Kapelle zu errichten. Nach nur drei Tagen wurde er gesund.
Als gelernter Zimmermann wird Georg Sohler wohl zunächst eine hölzerne Kapelle gebaut haben. Einen Kapellenbau aus Stein erwähnt erstmals eine schriftliche Quelle im Jahr 1672. Bald entwickelte sich eine blühende Wallfahrt, so dass sich bereits 1684 der Pfarrer aus dem nahe gelegenen Wallfahrtsort Maria-Thann über die entstehende Konkurrenz und die damit verbundenen Einbußen beklagte. Er versuchte die Weihe der Wallfahrtskapelle zu verhindern, aber der Protest blieb erfolglos. So konnte zwischen 1687 und 1695 eine Weihehandlung vorgenommen werden. Um 1700 erreichte der Wallfahrerzustrom ihren Höhepunkt, aber schon ab 1770 nahm die Anzahl der gefeierten Heiligen Messen wieder deutlich ab.

Zu den ältesten Ausstattungsgegenständen der Kapelle zählt die Kanzel aus dem Jahr 1686.  An ihrer Rückwand sehen wir das Bild des heiligen Paulus, dem unermüdlichen Verkünder des Evangeliums. Daneben trägt einer der schön verzierten Schränke in der Sakristei die Jahreszahl 1683, aus dieser ersten Bauzeit stammen auch der Chorstuhl links vorne und das Weihwasserbecken am Eingang der Kirche. Der Hochaltar aus rötlichem und grauem Füssener Marmor hat eine eigene Geschichte. Nach einer mündlichen Überlieferung soll dieser Altar ursprünglich für die Kirche in Scheidegg bestimmt gewesen sein. Da er dort kein Gefallen fand, verkaufte man ihn nach Itzlings. Am 8. Mai 1707 wurde dieser Hochaltar feierlich geweiht, jedenfalls feiern die Itzlingser seit Generationen an diesem Tag die Altarweihe. Die Jahreszahl 1707 ist sichtbar rechts am Altar eingraviert. Ursprünglich war der Hochaltar so ähnlich wie heute gestaltet: In der Mitte ein von Strahlen umgebenes Gnadenbild. Dieses erste Maria-Hilf-Bild ist leider verloren gegangen, doch auf den zahlreichen Votivbildern erhält man eine Vorstellung davon, wie es ausgesehen haben könnte.
Verschiedene Figuren aus der Barockzeit führen zum zentralen Marienbild; alle diese abgebildeten Heiligen lebten im Alten Bund. Auf der linken Seite des Chorraums sehen wir die Figuren des Abrahams und des König Davids. Abraham ist der Vater des Glaubens; König David ein Vorbild des Gebets, von ihm stammen der Überlieferung nach die zahlreichen Psalmen. In Maria erkennen wir schließlich die bedingungslos Glaubende und die unaufhörlich Betende. Die Eltern Marias, Joachim und Anna, sind ebenfalls dargestellt: Joachim mit zwei Tauben in der Hand steht im linken Seitenaltar. Alle Legenden des hl. Joachim bringen ihn mit dem Opfern in Verbindung, am Ende bringt er sein in späten Lebensjahren empfangenes Kind Maria als Tempeljungfrau zum Dienst in den Tempel. Seine Ehefrau, die heilige Mutter Anna, sehen wir rechts neben dem Hochaltar als Figur und im rechten Seitenaltar oben im Ölgemälde. Bei der Figur ist wohl die Darstellung der Gottesmutter verloren gegangen, die sonst üblicherweise an der Hand geführt wird. Die Hauptfigur im rechten Seitenaltar ist Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer. Als Priester im Tempel hält er das Weihrauchfass in seinen Händen. Abraham, Zacharias, Joachim und Anna waren allesamt zunächst kinderlos und mussten ihren Nachwuchs von Gott erbitten. Alle waren bereit, ihre Söhne und Töchter dem Herrn zu weihen. Noch wunderbarer ist aber die Geburt Christi, die Maria wohl am inständigsten von allen Heiligen des Alten Bundes erflehte. Auch Maria war bereit, ihren Sohn wieder herzugeben und so begleitete sie die Hingabe seines Lebens bis unter das Kreuz.
Auf das Barockkreuz mit seinen zwei Engeln an der rechten Seitenwand und auf die zahlreichen, teilweise sehr wertvollen Votivtafeln sei hingewiesen. Neben dem ältesten Votivbild von 1658, auf dem die Gründungsgeschichte beschrieben wird, haben die Kinder des Stifterehepaares Sohler ein weiteres Familienbild im Jahr 1694 fertigen lassen.
Im Jahr 1859/1860 wurde die Kapelle im Stil der damaligen Zeit umgestaltet. Das Gnadenbild ersetzte man durch eine große goldene Marienstatue, die auf einer Mondsichel steht. Diese Mondsichelmadonna befindet sich jetzt links im Chorraum inmitten von Abraham und David.
Der heilige Rochus links hinten wird im Allgäu als großer Fürsprecher in Fußleiden und Viehseuchen verehrt. Da er von Beruf Besenbinder war, flechten Menschen mit Beschwerden am Fuß einen Besen und stellen ihn zum heiligen Rochus. Der heilige Wendelin auf der gegenüberliegenden rechten Seite gilt als Patron der Landwirtschaft.
Erwähnenswert die kleine Orgel, die um die Jahrhundertwende erworben wurde und jahrelang in einer Gaststätte zu geselligen Anlässen aufspielte.
1958 versuchte Pfarrer Dorn zusammen mit Konservator Lutz aus Leutkirch den Hochaltar wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Eine Kopie des berühmten Maria-Hilf-Bildes von Lucas Granach wurde angefertigt. Es thront wieder in der Mitte des Hochaltars, Strahlen und Engel füllen den Innenraum aus.
Zum Jubiläum der 300-jährigen Altarweihe im Jahr 2007 hat man die Altäre und Figuren mit neuem Glanz versehen. Im Jahr 2015/16 wurde die Kapelle trockengelegt und aufwendig renoviert, die einzigartige Orgel generalüberholt.

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