Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

Worauf gründet sich die freudige Gewissheit, ein Kind der Königin des Himmels zu sein? Vor allem auf die Lehre von unserer Eingliederung in Christus [durch die Taufe] als Glieder seines Leibes. Ist eine Frau nicht Mutter, sobald sie für andere eine Quelle des Lebens ist? Sobald sie das Leben weitergibt, das sie selbst besitzt? Woher kommt in der übernatürlichen Ordnung dieses göttliche Leben in uns, das nicht wie unser leibliches Leben mit dem Tod enden, sondern sich herrlich entfalten soll in der Ewigkeit? Eva schenkte uns das natürliche Leben, belastet durch die Erbsünde; das Leben der Gnade aber wurde uns durch Maria vermittelt. Maria ist die neue Eva, die ihrer Bestimmung gemäß dem neuen Adam beigesellt wurde. Wie wirksam war doch ihre Mitwirkung am Werk der Erlösung! Bei der Verkündigung wollte Gott […] das Kommen seines Sohnes gewissermaßen von ihrer Zustimmung abhängig machen. Die Jungfrau wurde dadurch zum auserwählten Geschöpf, das allen die Gabe Gottes, das übernatürliche Leben, vermittelt; sie nahm ihre Mutterschaft in vollem Umfang der göttlichen Absichten an. Nach Gottes Plan sollte sie aber nicht nur die Mutter Christi, sondern auch die Mutter aller seiner Glieder sein. […] Indem wir zustimmen, Kinder Mariens zu sein, treten wir voll und ganz in die barmherzigen Pläne des Herrn ein. Hat uns der Vater nicht „im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben“ (Röm 8,29)? […] Welcher Trost! Durch die Verehrung Mariens und unsere Liebe zu ihr, vollendet sich in uns nach und nach die Ähnlichkeit mit dem Erlöser.

Sel. Columba Marmion (1858-1923), Abt