Du hast hier keine bleibende Stätte
„Du hast hier keine bleibende Stätte“ (vgl. Hebr 13,14), und wo immer du bist, bist du ein Fremdling und Wanderer; nirgends wirst du Ruhe haben, wenn du nicht mit Christus innig vereint bist. Was hältst du hier Umschau, da dieser Ort doch nicht der deiner Ruhe ist? Im Himmel muss deine Wohnung sein, und als vorübergehend müssen alle irdischen Dinge angeblickt werden. Alles geht vorüber und du desgleichen. Sieh zu, dass du an nichts hängst, auf dass du nicht gefangen wirst und umkommst. […]Ertrage mit Christus und für Christus, wenn du mit Christus herrschen willst. Wenn du einmal vollends in das Innere Jesu eingegangen wärest und nur ein wenig von seiner brennenden Liebe wüsstest, dann würdest du dich um den eigenen Vorteil oder Nachteil nicht kümmern […]. Denn die Liebe Jesu macht den Menschen zum Verächter seiner selbst. Wer Jesus und die Wahrheit liebt und ein wahrhaft innerlicher und von ungeordneten Leidenschaften freier Mensch ist, kann sich frei zu Gott hinwenden, sich im Geist über sich selbst erheben und in Seligkeit ruhen. Wer alle Dinge danach bemisst, wie sie sind, nicht wie sie genannt oder geschätzt werden, der ist wahrhaft weise und mehr von Gott belehrt als von Menschen.
Thomas von Kempen, Nachfolge Christi, geistliche Schrift aus dem 15. Jh.


