Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus
Meine Brüder, zu Recht bezieht die Kirche folgende Wort der Weisheit auf die heiligen Apostel Petrus und Paulus: „Jene aber waren Männer der Barmherzigkeit, deren Wohltaten nicht in Vergessenheit geraten. Das Gute, das sie ihren Nachkommen hinterlassen, hat Bestand für immer“ (Sir 44,10−11 Vulg.). Ja, man kann die beiden sehr wohl als Männer der Barmherzigkeit bezeichnen, weil sie selbst Barmherzigkeit erlangt haben, weil sie voller Barmherzigkeit sind und weil Gott sie uns in seiner Barmherzigkeit geschenkt hat. Seht doch, welche Barmherzigkeit sie erfahren haben. Wenn ihr den heiligen Paulus darüber befragt […], wird er von sich selbst sagen: „Früher war ich ein Lästerer, Verfolger und Frevler, aber ich habe Erbarmen gefunden“ (vgl. 1 Tim 1,13). In der Tat: Wer wüsste nicht, wieviel Böses er den Christen in Jerusalem […] und sogar in ganz Judäa angetan hatte? […] Zum seligen Petrus muss ich euch noch etwas anderes sagen, etwas Einzigartiges und überaus Erhabenes. Denn als Paulus sündigte, war er sich ja dessen nicht bewusst, da er [noch] keinen Glauben [an Christus] hatte; Petrus jedoch kam offenen Auges zu Fall (vgl. Mt 26,69 f.). „Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20). […] Wenn der heilige Petrus sich nach einem so schweren Fall zu einem solchen Grad der Heiligkeit erheben konnte – wer könnte da noch verzweifeln, sofern er auch nur ein klein wenig guten Willen hat, seine Sünden hinter sich zu lassen? Beachtet, was das Evangelium sagt: „Und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Mt 26,75).
Hl. Bernhard von Clairvaux (1091 -1153)


